Naturpark Barnim und Drawieński Park Narodowy
Fledermausschutz in ländlichen Räumen

Projektstandorte

Alte Bunkeranlagen

Im Naturpark Barnim gibt es einige ehemalige militärische Bunkeranlagen; sieben von ihnen wurden im Verlauf des Projektes als Fledermausquartiere eingerichtet. Darunter auch die Bunker in Biesenthal und in der Schönower Heide, die in Naturschutz- und FFH-Gebieten liegen und dort heute wichtige Bausteine im Artenschutz darstellen.

Ob bei Wandlitz, Lanke oder Dammsmühle: An allen Standorten galt es zuerst, den Müll zu entsorgen, der sich dort reichlich fand. Dann erst konnte mit den spezifischen Baumaßnahmen für den Fledermausschutz begonnen werden. Für den fledermausgerechten Umbau wurden je nach Zustand und Beschaffenheit der Anlagen folgende Tätigkeiten durchgeführt:

  • Es wurden Türen mit Einflugöffnung montiert und anschließend vor den Türen zum Schutz vor Frost Erde angeschüttet und der eine und andere Einflugschacht neu gemauert. Da in einzelnen Abluftschächten tote Fledermäuse gefunden worden waren, sind zur Vermeidung weiterer Verluste die Belüftungsanlagen demontiert und zerlegt wurden.
  • Für offene Schächte und Einstiege wurden Abdeckplatten aus Stahl angefertigt und installiert. Um freiliegende Bunkerdecken gegen Frost zu schützen, wurde Erdreich aufgetragen. An den oberirdischen Einstiegen wurden verschlusssichere Luken mit Einflugschlitzen angebracht sowie Vorsorge getroffen, dass keine Amphibien durch die Schlitze in den Bunker stürzen können.
  • In den Bunkern wurden Wandverkleidungen freigelegt und an den Wänden wie unter der Decke Hohlblocksteine angebracht, um Versteckmöglichkeiten für die Fledermäuse zu schaffen. Ein Teil der in den Bunkern lagernden Steine wurde zu Haufen aufgestapelt, da Fledermäuse die Ritzen auch gern als Versteck nutzen.
  • Fledermäuse suchen Quartiere mit hoher Luftfeuchtigkeit. Daher wurden auf einigen Bunkerdächern durch das Aufkleben von Dachpappe Trichter zur Sammlung von Regenwasser geschaffen, das durch Bohrlöcher in das Bunkerinnere geleitet wird. Dort trifft das Wasser auf extra angelegte Tropfflächen aus Teichfolie, um das schnelle Versickern zu verhindern. Diese Installation trägt zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei.
  • Um den Tieren eine ungestörte Winterruhe zu ermöglichen, wurden die Bunker gegen unbefugtes Betreten durch neugierige „Höhlenforscher“ gesichert. In diesem Zusammenhang wurden auch Gefahren für Spaziergänger beseitigt, die zum Beispiel von offenen Einstiegen und Luftschächten ausgingen.


Aufgrund seiner gut erreichbaren Lage wurde der ehemaligen Funkerbunker Bernau ausgewählt, um im Rahmen von Führungen der Öffentlichkeit in einem Raum zu demonstrieren, welche Bedeutung unterirdische Anlagen für den Unterschlupf von Fledermäusen haben. Dem Artenschutz wird Rechnung getragen, indem der Zugang zu den restlichen Räumen des Bunkers verschweißt wurde und somit Störungen der Tiere ausgeschlossen werden.

  • Einblick in einen Bunker
  • Einrichtung eines Einfluges in einen Bunker
  • Einrichtung eines Einfluges in einen Bunker


Eiskeller Grüntal

Der Eiskeller Grüntal mit seinem großen Gewölbe ist ein besonderes Fledermausquartier. Es befindet sich auf einem Acker in der Nähe des Ortes. Die Anlage besteht aus fünf Räumen mit einer Gesamtfläche von ca. 600 Quadratmetern. Der Eiskeller ist das bedeutendste Fledermauswinterquartier innerhalb des Naturparks, in welchem in der Vergangenheit pro Winter ca. 200 Einzeltiere gezählt wurden.
An dem bestehenden Winterquartier wurden neben der Entsorgung von Müll Verkehrssicherungs- und Optimierungsmaßnahmen durchgeführt:

  • Es wurden Haufen aus vor Ort vorhandenen Steinen angelegt, um Versteckmöglichkeiten für die Fledermäuse und für im Keller Schutz suchende Amphibien zu schaffen.
  • Zwei Einstiege in die Kellergewölbe wurden zubetoniert.
  • Eine Tür mit Einflugöffnungen wurde neu eingebaut.
  • Ein defekter Brunnen wurde neu eingefasst, um ein Hineinstürzen von Amphibien in den Brunnenschacht zu verhindern.


Um den Erfolg der Schutzmaßnahme beobachten und bewerten zu können, kann der Eiskeller durch eine seitlich gelegene, im Normalfall verschlossene Tür begangen werden.

  • Versiegelung des Einstiegs
  • Versiegelung des Einstiegs
  • Steine werden als Fledermausquartiere gehängt


Fahrzeughallen bei Tuchen-Klobbicke

Die Fahrzeughallen bei Tuchen-Klobbicke gehören zu den größten oberirdischen NVA-Anlagen im Naturpark Barnim. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe zum NSG „Nonnenfließ – Schwärzetal“ und bestehen aus elf erdüberdeckten Hallen und einem Mannschaftsbunker.
In den Anlagen wurden unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen geschaffen sowie verschiedene Versteckvarianten installiert, so dass die Ansprüche als Quartier für ein breites Fledermausartenspektrum abgedeckt werden können.
Im Bunkerkomplex konnten fünf Fledermausarten festgestellt werden. Bei einer Winterkontrolle 2006 wurden unter anderem 25 Braune Langohren (Plecotus auritus), fünf Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) und zwei Fransenfledermäuse (Myotis nattereri) gezählt.
Folgende Arbeiten waren am Standort erforderlich:

  • Auch hier musste der vorhandene Müll entsorgt werden.
  • In den Hallen wurden Hohlblocksteine als Versteckmöglichkeiten angebracht.
  • Durch das Entfernen alter Luftfilter über den Hallentoren wurden Einflugmöglichkeiten geschaffen und gegen unbefugtes Einsteigen von Menschen gesichert.
  • Die Tore wurden durch Verschweißen dauerhaft verschlossen und anschließend durch das Anschütten von Erde mit einem Frostschutz versehen.
  • Verschlusssichere Einstiegsluken mit zusätzlichen Einflugschlitzen wurden angebracht, um bei Bedarf in die Hallen gelangen zu können.

  • Steinhängung
  • Türverfüllung
  • Einflugschneise


Wasserhochbehälter Eberswalde

Am Stadtrand von Eberswalde Richtung Trampe befinden zwei ehemalige Wasserhochbehälter der städtischen Wasserwerke. Diese unterirdischen Wasserhochbehälter am Rande der Barnimer Hochfläche liegen oberhalb der Stadt. Durch den Höhenunterschied hatte der Druck ausgereicht, um das Wasser durch die Leitungen fließen zu lassen. Die Hochbehälter wurden zusammen mit einem alten Pumpenhaus zum Fledermausquartier umgebaut.
Der Zugang zu den Hochbehältern erfolgt über separate Metallluken von oben. Sie sind wie das Pumpenhaus durch Vorhängeschlösser vor unbefugtem Zutritt geschützt.
An der Anlage waren folgende Arbeiten erforderlich:

  • Die noch vorhandenen Abflussrohre mussten verschlossen werden.
  • Es wurden in der bewährten Art und Weise durch das Anbringen von Hohlblocksteinen Versteckmöglichkeiten geschaffen.
  • Um die Luftfeuchtigkeit im Innern der Behälter zu erhöhen, wurde mit Hilfe von Teichfolie auf den Behälterdecken je ein Trichter zur Ansammlung von Regenwasser gebaut und das Wassers durch vorhandene Öffnungen in die Behälter geleitet.
  • Die verschließbaren Einstiegsklappen wurden mit Einflugöffnungen versehen.


  • Beim Fledermaussteine anbringen
  • Fledermausverstecke
  • Zumauern